Google Street View Diskussion in Deutschland.

by Steffen Zörnig
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Was ist eigentlich Google Street View, werden sich viele Leute sicherlich seit einiger Zeit fragen. Bei Google Street View fährt Google mit Autos durch die Städte und nimmt die Städte von den Strassen aus auf. Dabei fahren sie wirklich nur die Strassen entlang und zeigen – anders als z.B. bei Luftbildaufnahmen – nicht was hinter den Häusern, oder auch hinter hohen Hecken, zu sehen ist. Genauso wie bei Google Earth sind dieses auch einmal gemachte Bilder, die nicht regelmäßig (vermutlich nur alle paar Jahre einmal) aktualisiert werden. So kann man daraus nicht erkennen, wann jemand jeden Morgen zur Arbeit fährt, ob die Kinder im Garten täglich spielen, oder ob jemand aktuell im Urlaub ist. Dafür kann man sich wunderbar in unbekannten Städten orientieren und sich ggf. die Umgebung von einem Haus, das man kaufen oder Mieten möchte, anschauen.

So z.B. bei unserem letzten Urlaub in London. Ich konnte mir dank Google Street View schon genau den Weg zu unserem Hotel anschauen und habe so eine Menge Zeit gespart. Ebenso konnte ich sehen, wie ich vom Zentrum aus zu gewissen Attraktionen finden kann oder ob es in der Gegend des Hotels schöne Restaurants gibt.
Google Streetview Screenshot

Google macht übrigens im Normalfall die Gesichter der Menschen unkenntlich. Das ist mehr, als z.B. die User bei Bilderdiensten wie Flickr tun. Hier werden einfach sämtliche Urlaubsbilder eingestellt und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Egal ob der unbekannte Tourist im Hintergrund damit einverstanden ist oder nicht. Gleiches gilt übrigens auch häufig für Bilder in der Presse. Ein Mensch im Hintergrund wird da zumeist nicht um Erlaubnis gefragt oder Unkenntlich gemacht. Natürlich kann es sein, dass bei Street View ein Mensch auch mal nicht erkannt wird und dadurch nicht unkenntlich gemacht wird, die Regel ist das jedoch nicht.

Übrigens, dank Gesichtserkennung können viele Bildverarbeitungssysteme auch schon Menschen erkennen und einem Namen zuordnen. Noch kann man – bedingt durch Einschränkungen der Firmen – nicht alle Bilder automatisch nach einem bestimmten Gesicht durchsuchen lassen, aber man sollte schon überlegen wie viele Touristen einen bereits abgelichtet haben und danach vermutlich ihren Freunden (und damit häufig auch der ganzen Öffentlichkeit) über das Internet diese Fotos zugänglich gemacht haben.

Mir ist zudem ein Rätsel, was aktuell in die Presse gefahren ist und ob es nicht wichtigeres als Google Streeview gibt: z.B. der Atomausstieg, Klimaerwärmung, Hochwasser und vieles mehr. Aber der Bild Zeitung ist das egal und sie stellt heute auf ihrer Internetseite lieber Pro- und Contra Meinungen von Prominenten und normalen Bürgern vor:

So zitiert sie Jeanette Biedermann (30), Sängerin: „Ich werde mein Haus schwärzen lassen. Ich glaube nicht, dass die Verantwortlichen von ,Street View‘ glücklich wären, dass man ihnen beim Nacktbaden im Garten zuschaut.“ Liebe 1414 Reporter der Bildzeitung, ist das für Euch nicht geradezu eine Einladung? Und liebe Frau Biedermann, wenn man Sie nackt von der Strasse aus sehen kann, ist Street View dann wirklich Ihr größtes Problem?

Gleiches gilt für Juliane W. (19) aus Gerstungen (Übrigens mit vollem Namen und Beruf auf Bild.de – ich habe darauf aus Datenschutzgründen verzichtet): „Ich sonne mich oft im Bikini auf der Terrasse. Durch Google finden Spanner doch sofort mein Wohnhaus.“ Ja liebe Juliane, wenn Du Deine Adresse irgendwo veröffentlichst und dann in der Bildzeitung mit diesen Aussagen die Spanner anlockst werden sie Dein Haus ganz sicher finden. Übrigens, das geht auch mit einem mehrere Jahre alten Stadtplan und ohne Street View. Stehst Du eigentlich im Telefonbuch?

Nehmen wir sonst die Familie Mirja und Sky du Mont. Sie sagt zu Bild: „Wir wollen unser Haus auf jeden Fall schwärzen lassen. ,Street View‘ fördert Kriminalität. Und wir möchten nicht, dass jemand unsere Kinder beim Spielen im Garten sieht.“ Ein Auto, ein Stadtplan, Reichtum und ein schönes Haus fördert hier genauso – wenn nicht noch mehr – die Kriminalität. Sollte man sie deshalb verbieten?

Für mich zeigen diese Meinungen, dass die Personen dahinter sich nicht mit Google Street View befasst haben und nur die Meinung der Presse und von Politikern – die ihre Meinung natürlich auch nur aus der Presse haben – wiedergeben. Natürlich kann man auch kritisch gegenüber Street View sein – aber das Thematisiert die Presse nicht. So sollte man sich z.B. Fragen ob die Daten wirklich von Google erhoben werden sollten – oder ob das nicht sogar Aufgabe der Städte wäre? Vielleicht hat Street View aber auch andere Effekte und man sieht endlich mal wer seinen Garten und die Bürgersteige pflegt und wer nicht?

Ich kann nur hoffen, dass sich Deutschland schnell besinnt und sich möglichst bald wichtigeren Themen widmet als Google Street View.

Zwei weitere schöne Beiträge dazu habe ich bei Nico Lumma und Martin Thielecke gefunden.

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