Geld zurück bei Verspätung – Die HVV-Alibi-Garantie.

by Steffen Zörnig
6 comments

Aufrufe: 3

Die HVV Garantie für Verspätungen in HamburgDer öffentliche Personennahverkehr ist in vielen Bereichen Deutschlands nicht für die Pünktlichkeit bekannt. Berlin scheint es aktuell ganz heftig getroffen zu haben. In Hamburg halten sich die Verspätungen zwar noch in Grenzen, trotzdem stand ich in den letzten Jahren schon häufiger am Bahnhof und musste auch gerne mal 30 Minuten auf eine S-Bahn warten, die alle 10 Minuten fahren sollte. Erst gestern ist wieder ein Zug liegen geblieben und die S-Bahnen zwischen Altona und Wedel fuhren extrem unregelmässig. Praktisch zeitgleich hat der HVV nun die sogenannte HVV-Garantie eingeführt, bei der Fahrgäste, mit mehr als 20 Minuten Verspätung, 50% des Fahrpreises zurückerstattet bekommen können.

Dazu muss innerhalb von drei Tagen ein Formular im Internet ausgefüllt werden. Wenn dieser Antrag vom HVV bewilligt wird, bekommt man per E-Mail oder Post eine Buchungsnummer zugesendet und kann sich mit dieser den Betrag in einer der HVV Servicestellen abholen. In den meisten Fällen wird dieses vermutlich einen Euro nicht übersteigen, auch wenn eine Monatskarte für den Grossbereich Hamburg im HVV über 70€ pro Monat kostet. Bei Rückerstattungen bei Monatskarten wird nämlich nicht der Preis der Fahrkarte genommen, sondern ein heruntergerechneter Preis pro Fahrt. Freundlicherweise rundet der HVV Beträge unter einen Euro auf, so dass Kunden mit Monatskarten vermutlich noch weniger Geld zurückerstattet bekommen würde. Hier hätte man zumindest den regulären Fahrpreis für die Fahrt berechnen können. So werden treue Kunden schlechter behandelt als z.B. der Fahrgast der einmal im Jahr mit dem HVV zum Arzt fährt. Kunden ohne Internet können übrigens bei Verspätungen im HVV unter 040/32 88-48 49 die HVV-Garantie beantragen. Im Vergleich zu den Gesetzliche Fahrgastrechten in Deutschland wirkt die HVV Garantie zwar wie eine gute Sache, jedoch sind die gesetzlichen Fahrgastrechte in Deutschland für den Fernverkehr gedacht und nicht für den Nahverkehr in einer Stadt wo die einzelne Fahrt meistens 3 Euro kostet.

HVV Garantie Hamburg Rückerstattung

Mein Fazit
Die HVV-Garantie ist für mich eine “Alibi-Garantie” die vermutlich keine Verbesserung beim HVV in Hamburg bringen wird und dem HVV hauptsächlich als Antwortmöglichkeit auf Beschwerden dient. Ich bekomme bei einer Stunde Verspätung gerade einmal einen Euro zurück und muss zuerst das Formular innerhalb von drei Tagen im Internet ausfüllen und danach zur Servicestelle vom HVV laufen. Für einen Euro werden vermutlich die wenigsten Leute diesen Aufwand auf sich nehmen. So wird der HVV vermutlich in einem Jahr verkünden können, dass die wegen Verspätung ausgezahlten Gelder nur minimal sind und die Lage also nicht so schlimm sein kann. Ebenso können sie an der Hotline jetzt einfach auf die HVV-Garantie verweisen und so unliebsame Beschwerden gleich abbügeln.

Mir wäre lieber, wenn der HVV – hauptsächlich die S-Bahn Hamburg – endlich einmal das Schienennetz und die S-Bahnen modernisiert, so dass die, aus meiner Sicht, häufigen Ausfälle der Vergangenheit angehören. Den PR Strategen vom HVV kann man zur HVV-Garantie nur gratulieren. Leider. So bleibt mir nur zu hoffen, dass sich die Fahrgäste nicht vom hohen Aufwand abschrecken lassen und bei den Verspätungen im HVV ihr Geld zurückerstattet lassen.

You may also like

6 comments

Thomas 13. Januar 2011 - 08:08

Kann man die Erstattungen nicht sammeln? Das sollte sich doch schnell lohnen wenn man oft fährt? Vielleicht könnte man auch ein Geschäftsmodell darauf aufbauen. 😉

Steffen Zörnig 13. Januar 2011 - 09:18

Du musst das Geld in den nächsten drei Monaten abholen. In drei Monaten habe ich normal aber nur 2-3 mal 20 Minuten Verspätung. Macht die Sache auch nicht viel lohnender. Und natürlich musst Du immer auch die Fahrkarte und ab 5€ Deinen Personalausweis mitbringen.
Da spricht so einiges gegen eine Geschäftsidee.

FRank 13. Oktober 2015 - 13:33

Ich habe das jetzt mal durchgezogen: Wegen Streikausfällen bei Autokraft habe ich die Tage 28 Gutschriften a 1 € für meine Zeitkarte erzielt. Es könnte gar nicht umständlicher gehen:
28 mal…
– meine Kartendaten, Arbeitgeber, Gültigkeit eingeben,
– meine kompletten Adressdaten eingeben,
– umständlich die genaue Verbindung auswählen,
– eine Bestätigungsmail erhalten und ca. 4 Tage warten,
– die endgültigen Bestätigungen ausdrucken.

Zwar habe ich einen HVV- Account, aber es scheint nicht gewollt zu sein, dass meine pers. Daten schon mal vorbelegt werden.

Dann mit dem Stapel zur HVV- Stelle gehen. Die Belege haben zwar einen Strichcode, die Dame in der HVV- Stelle muss aber alle 28 Belege manuell eingeben. Am Ende fehlten 6 Stück, die dann mit dem Ausdruck abgeglichen werden mussten – Zahlendreher. Nach ca. 30 Min. waren wir dann durch :-/

Fazit: Der Punkt “Umständlichkeit” wird ist hier hoch erwünscht und wird zur Perfektion getrieben. Ich mache das aber schon aus Prinzip weiterhin so.

Stefan 13. Januar 2011 - 09:26

Das betrifft aber auch eher die S-Bahnen, bei der Hochbahn habe ich größere Verspätungen noch nie erlebt.

Steffen Zörnig 13. Januar 2011 - 09:29

Als ich noch Ritterstrasse gewohnt habe, gab es in den drei Jahren, zumeist wegen Polizeieinsätzen, auch sicherlich 5-10 mal Verspätungen von ca. 20 Minuten. Da kann der HVV jetzt nicht direkt etwas für. Aber ja, die S-Bahn als Tochter der Deutschen Bahn, ist hier gefühlt wirklich stärker betroffen.

maurice 16. Januar 2011 - 23:19

Mich würde mal interessieren, was die DB im Jahr so an den HVV zahlen muss, denn ich habe mir sagen lassen, dass die DB für jede Verspätung Strafe zahlen muss.

Es ist teilweise wirklich ärgerlich; wenn ich mal fünf Minuten warten muss, finde ich das nicht sonderlich schlimm, aber es ist jetzt schon mehrfach passiert, dass bspw. der letzte Metronom, den ich nehmen wollte, nicht mehr zu kriegen war, weil die S-Bahn 20-30 min Verspätung hatte.
Dabei habe ich den Eindruck, dass es auch immer die selben Streckenabschnitte sind, die wegen Feuerwehreinsätzen, Weichenstörungen etc. für Verspätungen sorgen.

Comments are closed.