Livescribe Pulse Smartpen im Test [Update]

by Steffen Zörnig
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Notizen einfach in den Computer einspielen ohne sie extra Scannen zu müssen, wünschen sich viele User und spezielle Stifte zusammen mit speziellem Papier ermöglichen das schon länger. Dabei wird mit einer kleinen Kamera das Papier unter dem Stift gefilmt und dieser weiss danach genau wo die Linien gezeichnet wurden. Dafür ist das Papier mit fast unsichtbaren kleinen Punkten versehen, welche die Kamera aufnimmt. Sobald man danach den Stift mit dem Computer verbindet, werden die Daten übertragen und stehen als PDF zur Verfügung. Seit Anfang 2009 gibt es von der Firma Livescribe eine Weiterentwicklung dieser Stifte: den Pulse Smartpen. Dieser basiert genau auf dem beschriebenen Prinzip, bietet zusätzlich jedoch auch die Möglichkeit das gesprochene Wort mit einem Mikrophon aufzunehmen. Aktuell gibt es diesen Stift in den Größen 4GB und 8GB.

Dabei bietet der Stift mehr Funktionen als ein einfaches Diktiergerät, denn er kann später das gesprochene Wort mit den geschriebenen Aufzeichnungen zusammenbringen. Über den eingebauten Lautsprecher kann man auch ohne Computer die Aufzeichnungen abhören, indem man mit dem Stift auf geschriebene Wörter tippt. Dabei hört man auch immer genau was besprochen wurde, als man dieses Wort geschrieben hat. Zur Bedienung gibt es unten auf dem Papier diverse Bedienelemente zur Audiosteuerung. So kann mit einem Berühren der Buttons, die Aufnahme gestartet bzw. beendet oder Bookmarks gesetzt werden.

Livescribe Software

Auf dem Computer gibt es die „Livescribe Desktop“ Software für Mac und PC. Hier kann man sich alle Notizen anschauen und anhören und als PDF oder die reinen Audiodateien als AAC speichern. Auch eigene Notizbücher kann man ausdrucken. Ob sich dieses lohnt, oder man lieber auf die schönen Notizbücher von Livescribe zurückgreift, muss jeder selber entscheiden. Frisch hinzugekommen ist die Möglichkeit das Wiedergeben der Informationen des Stiftes mit einem Passwort zu versehen. Da dieses Feature relativ neu ist, habe ich im Internet noch keine Informationen gefunden, wie sicher die Informationen wirklich auf dem Stift damit geschützt sind. Ein Feature, welches Livescribe besonders wichtig ist, sind die sogenannten Pencasts. Hierbei handelt es sich um einen Flashplayer, den man in die eigene Webseite einbinden kann und der das geschriebene und gehörte dann abspielt. Ein schönes Beispiel ist hier der Pencast von Hans-Jürgen Walter.

Programmierern bietet Livescribe zusätzlich die Möglichkeit eigene Programme für den Livescribe Pulse Smartpen zu entwickeln. Als Demos haben sie dazu ein Klavier programmiert, welches der User malen muss und danach mit diesem musizieren kann und ein Übersetzungsprogramm, bei dem man englische Wörter schreiben kann (ca. 10 Stück) und diese dann ins Spanische, Arabische,… übersetzt werden. Dafür gibt es von Livescribe einen eigenen App Store, wo man sich diverse Programme für den Smartpen kaufen kann.

Inhalt vom Livescribe Pulse Smartpen

Den Stift gibt es in für ca. 150€ (4GB) zusammen mit einem 100 Seiten starken Notizbuch, einem Kopfhörer mit integrierten Mikrophonen, eine Schutzhülle für den Stift und ein USB Dock zum Anschluss des Stiftes an den Computer.

Im Juli 2010 wurde der Nachfolger Livescribe Echo Smartpen vorgestellt. Dieser kommt mit 8 GB Speicher und bietet neben einer angenehmeren Form auch einen Standard Kopfhöreranschluss und einen USB Anschluss direkt am Stift. So braucht man kein zweites Dock, wenn man den Stift an mehreren Computer (z.B. Büro und Zuhause) nutzen möchte. Für den Herbst hat Livescribe weitere Funktionen angekündigt, die exklusiv auf dem Livescribe Echo Smartpen funktionieren. Dazu gehört die Möglichkeit per USB Kabel das Geschriebene direkt auf einen Computer zu übertragen (z.B. für Präsentationen). Der Preis liegt hier aktuell bei 200 Euro.

Für 30 Euro gibt es seit einiger Zeit auch die Software „MyScript für LiveScribe“. Dabei handelt es sich um eine Texterkennung, die auch einen relativ guten Job macht, wenn man sich beim Schreiben ein bisschen Mühe gibt. Wenn ich schnell etwas notieren muss, ist die Erkennungsquote allerdings nicht wirklich gut. Hier würde sich das Abtippen eher lohnen. Die Software kann man aber 30 Tage (Mac und PC) testen, so dass man schauen kann, wie kompatibel die eigene Handschrift ist. Sie unterstützt die meisten gängigen Sprachen, darunter Deutsch und Englisch.

Erfahrung und Fazit

Ich selber nutze den Livescribe Pulse Smartpen seit gut 1 1/2 Jahren, hauptsächlich um Veranstaltungen und Konferenzen mitzuschreiben und nachträglich noch anzuhören. Protokolle von Meetings und Vereinssitzungen kann man auch sehr schön protkolieren, trotzdem nutze ich den Stift dazu eher weniger. Meine 1GB Version reicht gut für 50 Stunden Audioaufnahmen und der eingebaute Akku hält bei mir 2-3 Wochen. Der Stift ist zwar etwas dicker als normale Stifte, liegt aber trotzdem noch gut in der Hand. Die Übertragung auf den PC bzw. Mac klappt gut und das eingebaute Mikrophon arbeitet recht zuverlässig und nimmt in normalen Meetingräumen auch alles gut auf. Gerne hätte ich den Stift auch in meiner Zeit als Student gehabt um die Vorlesungen in der Universität besser protokollieren zu können.

Seit gut einem Jahr möchte ich mir eine zweite Dockingstation kaufen, um den Stift sowohl in der Firma, als auch zu Hause nutzen zu können. Die neue Version, der Livescribe Echo Smartpen bietet hier mit einem richtigen USB Anschluss einen sehr guten Ansatz.

Doch es gibt auch Schattenseiten. Der Stift funktioniert nur auf speziellem Papier. Diese muss man entweder ausdrucken, oder man nimmt die sehr schönen Notizbücher von LiveScribe, die es mittlerweile auch in diversen Variationen und Formaten gibt. Der Stift kann übrigens bis zu 8 Schreibblöcke gleichzeitig verwenden, zusätzlich auch diverse kleinere Notizbücher. Dafür sind Nummern auf die Blöcke gedruckt und man kann immer nur einen Block mit der jeweiligen Nummer gleichzeitig verwenden. Ich selber bin ein großer Freund der DIN A5 Journale, die an die Notizbücher von Moleskine angelehnt sind. Zum Abhören sollte man den PC oder die mitgelieferten Kopfhörer nutzen, denn der eingebaute Lautsprecher im Stift klingt schnell übersteuert. Die in den Kopfhörern eingebaute Mikrophone können zwar ein gutes Stereosignal aufnehmen, sind in Meetings aber schlecht zu gebrauchen – denn wer sitzt da schon gerne mit Kopfhörern?

Zusätzlich vermisse ich die Möglichkeit ein PDF mit der Sprache zu verknüpfen. Gerne würde ich nämlich die Tonaufzeichnungen von Vorträgen mit später veröffentlichten Folien zusammenbringen. Aktuell müsste ich dieses relativ umständlich durch Videobearbeitungssoftware machen. Sollte es hier einen besseren Weg schon geben, würde ich mich natürlich über einen Hinweis sehr freuen.
Trotz dieser Negativpunkte hat mich der Livescribe Pulse Smartpen überzeugt und ich möchte ihn, gerade für die Nachbearbeitung von Konferenzen, nicht mehr missen. Dabei nutze ich weniger die Funktion meine Aufzeichnungen als PDF abspeichern zu können, sondern die Möglichkeit nochmals genauer anzuhören, was ich mit einem zu kurzem Stichwort beim Mitschreiben eigentlich erinnern wollte.

Ich kann ihn uneingeschränkt für Studenten (hier ist der Stift wirklich ein Muss) und Berater/Kontakter mit vielen Meetings empfehlen.

Update vom 31.07.2010
Der Ursprungsbericht stammt vom 1.5.2009. Da seitdem mehr als ein Jahr vergangen ist, habe ich den Artikel einmal grundlegend erneuert und um die aktuellen Entwicklungen und Erfahrungen ergänzt.

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12 comments

Sockes Sockenschublade » Archiv » Livescribe Smartpen - Revolution in Unihörsälen? 3. Juni 2009 - 01:40

[…] recht aufschlussreichen Test kann man hier […]

Uwe Rüding 13. August 2010 - 10:08

Noch genialer wär es, es wenn man es mit einem ebook oder Reader erwerben so dass es ein kleines, handliches elektronisches Notizbüchlein ergäbe, das man in die Tasche stecken könnte.

Was macht man, wenn das Notizbuch voll ist? Wo kann man das Papier nachkaufen und was kostet es?
Wird die Schrift auch gleich via OCR umgewandelt, so dass man die Skizzen weiterbearbeiten kann?

Steffen Zörnig 13. August 2010 - 14:34

Wenn der Blog voll ist, kann man den Block in der Software archivieren und einen neuen (mit der gleichen Nummer) nutzen. Ich habe die bisher bei Amazon bestellt, wo man zwischen 5 und 10 Euro pro Block zahlt – je nach Seitenanzahl, Größe und Art. Alternativ kann man auch gut über unimal.de bestellen.

Wie oben beschrieben, kann die Schrift mit der Software MyScript für LiveScribe umgewandelt und so weiterverarbeitet werden. Zeichnungen werden dabei jedoch nicht zu Vektor Grafiken oder so. Wie gut die Schrift erkannt wird, hängt natürlich immer von der jeweiligen Handschrift ab.

Matthias Hau 6. Oktober 2010 - 15:29

Hallo Hr. Zörnig,

ich habe mit großem Interesse Ihren Test-Bericht gelesen.
Eine Frage, die sich mir stellt ist, ob man diesen “Aufzeichnungsstift” ‘einfach so’ benutzen darf oder ob man dazu die Zustimmung der Besprechungsteilnehmer oder des Professors (im Uni-Hörsaal) einholen muss. Nach meinem Kenntnisstand darf man Gespräche doch nur mit Erlaubnis aufzeichnen, oder ?

Mit freundlichen Grüßen
Matthias Hau

Steffen Zörnig 16. Oktober 2010 - 09:03

Hallo Herr Hau,

ich bin (leider) kein Rechtsanwalt, dementsprechend kann ich dazu nicht viel sagen. Generell wird für die Verwendung des Stiftes das gleiche Recht wie für andere Audiomitschnitte wie bei z.B. Diktiergeräten gelten. In meiner Studienzeit haben diverse Studenten die Vorlesungen am Diktiergerät mitgeschnitten und sogar gefilmt. Vermutlich war dies auch nicht mit den Professoren abgesprochen – was die Sache nicht besser macht. Eine rechtliche Handhabe – wenn der Professor etwas falsches gesagt hat – wird man dabei sicherlich aber nicht haben.

Bei Meetings im Unternehmensumfeld sollte natürlich auf die Aufzeichnung hingewiesen werden.

Für eine genaue Beurteilung empfehle ich Ihnen sonst dieses mit einem Rechtsanwalt abzuklären.

Viele Grüße aus Hamburg

Leguan25 10. Dezember 2010 - 13:17

Lieber Herr Zörnig, lieber Herr Hau,
Rechtlich gesehen ist das Mitschneiden von Vorlesungen ohne Erlaubnis des Dozenten problematisch, da untersagt. Aus Erfahrung weiß ich aber, dass die meisten Dozenten nichts dagegen haben, aufgezeichnet zu werden, wenn man sie vorher einfach um Erlaubnis bittet und darauf hinweist, dass der Mitschnitt nur den privaten Lernzwecken dienlich ist. Insofern kann der Smartpen ohne weiteres eingesetzt werden und erleichtert das Studieren sehr!
Viele Grüße aus München!

Leguan25 17. Dezember 2010 - 16:53

Liebe Forumskollegen, vielleicht interessiert es Sie auch, dass der Smartpen derzeit für 99 Euro zu erstehen ist – weiß allerdings nicht, ob das nur ein Weihnachtsangebot ist (http://www.cotec.de/pulse-smartpen.html). Meinen Sie, dass der Preis sich nun immer auf diesem Niveau bewegen wird oder ist das tatsächlich nur ein begrenztes Sonderangebot? Vor einem Jahr war er schließlich noch fast doppelt so teuer. Sollte ich ihn also jetzt kaufen oder lohnt sich das Warten eventuell noch preislich?
Für eine schnelle Antwort wäre ich dankbar.
Grüße noch einmal aus München!

ario 4. Februar 2011 - 10:16

seit langem suche ich in google über die sprachen, welche smartpen übersetzen kann. aber keine redet drüber. wieviele wörter kann dieses pen übersetzen und in welche sprachen. gibt es software dafür.

Steffen Zörnig 6. Februar 2011 - 16:05

Hi Ario,

bei meinem Pulse Smartpen war nur eine Demo mit ca. 25 Wörtern für einige Sprachen. Im App Store vom Smartpen gibt es dafür eine Programme, wie gut die sind, kann ich aber nicht sagen. Generell bezweifle ich aber, dass diese Art der Apps sinnvoll funktionieren. http://www.livescribe.com/store/20100120001/c-154.htm

Alternativ kannst Du die Inhalte per OCR auf dem Rechner digitalisieren und dann mit gängigen Übersetzungsprogrammen in die Sprache Deiner Wahl bringen.

Viele Grüße
Steffen

Labu 14. Juni 2011 - 17:33

Hallöchen:)
Kann man den Smart Pen nur im Internet bestellen..oder hat den auch ein ganz normaler Laden wie zb. Saturn, Media Markt etc???

Lg

Labu

und danke 🙂

Steffen Zoernig 14. Juni 2011 - 21:51

Hallo Labu,

bei Mediamarkt und Co habe ich ihn noch nicht gesehen. Bei Gravis könntest Du aber fündig werden.

Viele Grüße
Steffen

Wolfgang Wiesinger 22. Juni 2013 - 13:36

Sehr geehrter Hr. Zörnig,

ich möchte mich herzlich bei Ihnen Bedanken für die ausführliche Beschreibung eines Smartpens.
Der Kauf eines Smartpens wird dadurch um einiges leichter da es da auch viele verschiedene Typen bzw. Preisklassen gibt.

Mit Gruss
W. Wiesinger

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