Tolino Shine – E-Book Reader von Thalia, Hugendubel und der Telekom. [Update]

by Steffen Zörnig
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Tolino ShineSeit heute ist der “Tolino Shine” E-Book Reader im Buchhandel erhältlich, der zusammen von Thalia, Weltbild, Hugendubel, Bertelsmann und der Telekom vertrieben wird. Damit möchte der deutsche Buchhandel in breiter Front gegen die Amazon Kindle Dominanz vorgehen. Das zeigt auch der Einführungspreis von 99€ für den Tolino Shine, der zumindest anfänglich 30€ günstiger ist als der vergleichbare Kindle Paperwhite. Die Unterschiede zwischen dem Tolino Shine und dem Kindle Paperwhite sind dabei recht klein. Der Tolino hat unten einen Home Button, mit dem man in das Hauptmenü (Buchauswahl) zurück kommt, während der Kindle komplett auf das Touchdisplay setzt und keine zusätzlichen Tasten benötigt. Ein deutlich merkbarer Vorteil des Tolino ist das Gewicht, denn der E-Book Reader wiegt mit seinen 183 Gramm genau 30 Gramm weniger als der Kindle Paperwhite und das war deutlich spürbar. Anzeigen kann der Tolino nur ePub, PDF und TXT Dateien. Die restlichen Maße und Ausstattung sind relativ ähnlich, ausser dass der 4GB Speicher (2GB verfügbar) des Tolinos über eine Micro SD Speicherkarte erweitert werden kann.

Die Beleuchtung war das Argument für den Kindle Paperwhite und auf mich wirkt das Licht auf dem Tolino Shine noch etwas besser verteilt. Die Intensität der Helligkeit lässt sich im unteren Bereich der Skala relativ genau einstellen, im oberen Bereich fühlt sich die Einstellung leider recht grob an. Der Tolino verwendet zum Austausch von Dateien neben WLAN und dem USB Kabel auch die “Telekom-Cloud” mit 25GB Speicher, so können ePub und PDF Dateien auch online gespeichert werden. Zudem kann der Tolino auch kostenlos auf die 11.000 Hotspots der deutschen Telekom zugreifen um Bücher zuladen oder auch über den integrierten Webbrowser zu surfen. Genauso wie beim Kindle fehlt auch beim Tolino ein Netzteil, jedoch reicht hierfür ein normaler USB Port oder halt ein übliches USB Netzteil, welches man ggf. schon vom Mobiltelefon hat.

Eine umfangreiche Vergleichstabelle (Tolino, Kindle, Bookeen) hat Weltbild zusammengestellt. Interessant dabei ist auch die Ankündigung, dass es Markierungen und Notizen im nächsten Update geben soll.

Hugendubel und Thalia geben auf ihren Webseiten an, dass sie 300.000 Titel für den Tolino im Angebot haben. Viele Pressemeldungen behaupten, dass es sich dabei um 300.000 deutsche Titel handelt – was ich jedoch nirgends bestätigt gesehen habe. Amazon sagt aktuell, dass es über 1,5 Millionen Bücher gibt – lässt dabei aber auch offen, wie viele Bücher davon auf Deutsch sind. Stichprobenartig habe ich auf den aktuellen Bestsellerlisten alle Titel sowohl bei Amazon als auch bei deutschen Buchhändlern als E-Books gefunden.

Mein Fazit
Der Tolino hinterlässt bei mir ein gemischtes Gefühl. Die Hardware wirkt sogar leicht besser als der Kindle Paperwhite und das zu einem deutlich günstigeren Preis. Das Display reagiert ähnlich gut wie der Kindle und auch sonst braucht sich der Tolino nicht hinter dem Kindle zu verstecken. Leider hat es der deutsche Buchhandel aber nicht geschafft, den E-Book Reader weiterzuentwickeln, denn von der Hardware bis hin zum Layout der Software hat man das Gefühl eine Kopie des Kindle Paperwhites vor sich zu haben. Sogar das Hauptmenü ist gleich aufgebaut, mit eigenen Büchern oben und kaufbaren Büchern unten.

Tolino Shine HugendubelDurch die Buchpreisbindung sind zudem auch die deutschen Bücher in allen Shops gleich teuer, so dass es preislich egal ist ob ein Buch von Amazon oder Thalia kommt. Auch hängt der Kopierschutz beim Tolino an Adobe und damit ebenso an einer Firma wie der Kindle an Amazon. Verpasst wurde auch die Möglichkeit E-Books zu verschenken. Dabei meine ich noch nicht einmal “gebrauchte” E-Books sondern Neue. Dieses Feature vermisse ich nämlich schon lange bei Amazon. Amazon Prime Kunden können sich zudem ein Buch pro Monat kostenlos ausleihen – wobei hier da Angebot sehr eingeschränkt ist.

Kann der Tolino nun den deutschen Buchhandel retten? Die Frage muss klar mit einem “Vielleicht” beantwortet werden. Er wird aber sicherlich nicht das Sterben von lokalen Buchhändlern aufhalten, denn egal ob Kindle oder Tolino – die wenigsten Käufer werden die E-Books danach im Laden nebenan kaufen. Interessant wäre natürlich, ob z.B. die Thalia Filiale zumindest eine Provision bekommt, wenn der Kunde das E-Book vor Ort kauft.

Nach meinem Gefühl ist das Timing des Tolinos nicht das schlechteste und könnte – in anbetracht der aktuellen Berichterstattung über Amazon auch Stoff für eine Verschwörungstheorie sein. Denn neben dem Preis ist der größte Vor- und Nachteil des Tolinos, dass er nicht von Amazon kommt. Wer Amazon also nicht unterstützen möchte, kann aus meiner Sicht problemlos zum Tolino Shine greifen.

[Update]
Was ich im Bericht noch vergessen hatte war, dass der Tolino oben neben dem An/Aus Schalter auch ein Licht An/Aus Schalter hat. Diesen hatten sich viele Nutzer vom Kindle Paperwhite gewünscht. Zudem habe ich auch die Telekom Cloud ausprobiert und konnte ohne Probleme Bücher über den Tolino auswählen und in die Cloud legen und diese genauso wieder herunterladen.

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Oliver 7. März 2013 - 17:54

Welche Farbe hat das Licht? Amazon verwendet ja leider blauweiß.

Muhaha. “Sie sparen 20% gegenüber der Print-Originalausgabe”. Ja, Mädels, die KAUFE ich ja auch, wogegen mir das eBook gnädigerweise geliehen wird. Dafür sind 20% Nachlass viel zu wenig!

Wie sieht es aus mit Wörterbüchern? Ohne das kann ich nicht mehr 🙂

Steffen Zörnig 8. März 2013 - 06:57

Hallo Oliver,

Ich habe die drei Kommentare mal als einen zusammen gefasst. Die Lichtfarbe wirkte auf mich ähnlich wie beim Amazon Kindle, also kalt weiss.

Wörterbuch gibt es (noch?) nicht – nutze ich selber aber auf auf dem Kindle nicht.

Und ja, 20% Preisnachlass sind wenig, bei Amazon ist der aber genauso gering. Das ist ja leider ein allgemeines Problem.

Gruss
Steffen

Dennis Schmolk 7. März 2013 - 18:16

Hm … also ich muss doch sagen, der Kindle Paperwhite ist ein anderes Kaliber. Auf dem Tolino kann man keine Notizen machen (wichtiges Cloudfeature des Kindle für mich), keine Sachen markieren, die Facebook-Integration ist zumindest beim Hugendubel-Tolino ein Witz.

Und von wegen offene Cloud: Noch gibt es die nicht. Bislang hat manmit einem Hugendubel-Tolino nur ein Hugendubel-Gerät it separater Cloud. Bin gespannt, wann da was neues kommt.

Steffen Zörnig 8. März 2013 - 07:00

Hallo Dennis,

ich selber nutze weder Notizen, noch Markierungen und Facebook schon gar nicht. Hätte jetzt vermutet, dass es den meisten Menschen genauso geht – aber da kann ich auch irren.

Zum aktuellen Zustand der Telekom Cloud kann ich nichts sagen, die habe ich nicht ausprobiert. Da weiss ich nur, dass man laut Anleitung die PDFs und ePubs vom Gerät dort ablegen kann und auch wieder runterladen kann.

Gruss
Steffen

Steffen Zörnig 11. März 2013 - 20:13

Ich habe die Cloud heute ausprobiert. Funktioniert ohne Probleme. Bücher lassen sich sowohl ablegen als auch herunterladen über den Tolino. Ob das jetzt aber eine Hugendubel Cloud oder eine Telekom Cloud ist kann ich nicht beurteilen.

Lars Becker 18. März 2013 - 11:05

Notizen und Markierungen sind eine der wichtigsten Vorteile von E-Book-Readern gegenüber gedruckter Literatur. Gerade beim Lesen wissenschaftlicher Literatur möchte ich das nicht mehr missen. (Wobei anzumerken ist, dass der Komfort dieser Funktionen beim Kindle auch noch optimierungsbedürftig ist; die Möglichkeit die Notizen und Markierungen vernünftig zu strukturieren fehlt dort auch.)

Jutta Quickert 25. Mai 2013 - 20:46

Habe mir gestern einen “Hugendubel Tolino” gekauft und mich bei Hugendubel angemeldet. Jetzt stelle ich fest, dass Thalia viel mehr kostenlose E-Books anbietet. Kann ich mr die auf meinen “Hugendubel Tolino” herunterladen?

Steffen Zörnig 26. Mai 2013 - 08:19

Hallo Jutta,

ja, Du kannst auch die E-Books von Thalia auf dem Hugendubel Tolino verwenden, nur halt nicht direkt mit dem Tolino kaufen. Das funktioniert, da alle diese Shops auf dem Adobe DRM für ePub aufsetzten. Das trifft jedoch auch nicht für alle Shops zu. Amazon z.B. verwendet für Kindle ein eigenes Format, welches so nicht auf dem Tolino funktioniert.

Viele Grüße
Steffen

Jutta Quickert 26. Mai 2013 - 10:36

Herzlichen Dank für diese Info.

Mädchenpapa 23. November 2013 - 21:39

Hallihallo,

wir waren damals im Ladengeschäft auch ziemlich angetan vom Tolino. Im Prinzip sogar wesentlich mehr als Du 😉

Allerdings haut Amazon inzwischen ja richtige Kampfpreise raus. Ich hoffe dennoch, dass sich händlerunabhängige Reader durchsetzen werden… ich hoffe…

Wir sind übrigens auch von der Gruppe der Nicht-Notizen-Macher und Nicht-Cloud-User. 😉

Liebe Grüße
Der Mädchenpapa

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