Atomenergie – Die Wette gegen die Zukunft.

Anti Atomkraft Demo in Hamburg vor Vattenfall
Spontane Anti Atomkraft Demo in Hamburg
In den letzten Jahren konnte man sich ja wirklich schon sicher fühlen was die Gewinnung der Energie über Kernkraftwerke betraf. Zwar gab es auch in Deutschen Atomkraftwerken Störungen und der Reaktor Krümmel war deshalb 2 Jahre nicht in Betrieb, aber unsere Regierung sagte uns stets, dass dies nur kleinere Probleme und damit nicht gefährlich sind. Wie klein die Probleme sind wenn ein Kernkraftwerk 2 Jahre abgeschaltet ist, muss jeder jedoch für sich selbst entscheiden. Fast genau 25 Jahre nach Tschernobyl droht in Japan nun erneut ein atomarer Super Gau – wenn die Kernschmelze im AKW Fukushima nicht schon eingetroffen ist.

Beim Tschernobyl Unfall war ich 6 Jahre alt und ich erinnere mich noch immer sehr gut daran, dass wir teilweise nicht in Sandkästen spielen durften und auch Obst und Gemüse aus dem Garten Tabu waren. Auch wenn diese Vorsichtsmassnahmen im Nachhinein für viele Leute etwas übertrieben wirkten, so war die Angst in der Bevölkerung riesig. Als ich jedoch gestern Fotos von der Anti Atomkraft Demo vor der Vattenfall Zentrale in Hamburg gemacht habe, so hörte ich viele Fußgänger diese mit „Ökös“ beschimpfen. Vielen ist die aktuelle Situation zu diesem Zeitpunkt vermutlich noch nicht bewusst gewesen, jedoch zeigt das hochtechnologische Japan sehr deutlich, dass die Atomkraft nicht wirklich kontrollierbar ist. Würden wir ein Nachbarland von Japan sein, wäre die Stimmung wohl längst schon komplett gekippt. In Stuttgart fand gestern auch eine Menschenkette gegen Atomkraft statt, immerhin 60.000 Menschen haben sich daran beteiligt. Im Vergleich zu den 400.000 Demonstranten, die 1982 gegen Atomraketen in Hamburg demonstriert haben, wirken die 60.000 Menschen jedoch noch überschaubar.

Dieses wird langsam wohl auch von der Bundesregierung klar, welche die Laufzeit der alten Atomkraftwerke im Oktober 2010 noch verlängert hat. Die Sicherheit unserer Kernkraftwerke soll jetzt nochmals überprüft werden, wie Bundeskanzlerin Merkel gestern auf einer Pressekonferenz bekannt gab. Ein Faupax ist Merkel dann auch passiert, als sie sagte: „Ich finde, an einem solchen Tag darf man nicht einfach sagen: Unsere Kernkraftwerke sind sicher. Sie sind sicher, aber trotzdem muss man nachfragen: Was ist aus einem solchen Ereignis zu lernen?“ Für mich klingt das leider nicht nach sicher. Das Bundesministerium für Umwelt schreibt zudem leichtfertig auf ihrer Seite: „Mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen für die deutsche Bevölkerung ist nicht zu rechnen.“ Da fragt man sich doch, ob über die Luft, die Meere oder auch Tiere nicht doch radioaktives Material nach Deutschland kommen kann. Klar wird das nicht direkt sein, aber wenn das radioaktive Material erstmal freigesetzt ist, wird es auch nicht vor Deutschland halt machen.

Ein weiterer Punkt ist zudem die Frage der Endlagerung des Atommülls. In Deutschland gibt es auch weiterhin nur Zwischenlager. Was endgültig mit dem Atommüll passiert ist vollkommen offen und kann vermutlich auch in den nächsten 100 Jahren nicht entschieden werden. Das Zwischenlager Asse, in einem Salzstock, ist im letzten Jahr in die Presse gekommen, da es hier erhebliche Mängel gibt und die Vermutung aufkam, dass radioaktives Material durch den Salzstock sickert. Sollte es hier mal ein stärkeres Erdbeben geben, wären die Folgen für Deutschland und die Welt sicherlich verheerend. Radioaktiv verseuchtes Grundwasser wäre im Ernstfall wohl nicht unwahrscheinlich. Dagegen wirken die unschönen Folgen von Kohlekraftwerken fast schon harmlos. Von regenerativen Energien einmal ganz zu schweigen. Die von Merkel befürwortete Übergangstechnologie „Atomkraft“ sollte demnach schnellstmöglich weltweit abgeschaltet werden. Denn wenn man schon in Deutschland an der Sicherheit zweifelt, so muss man sich diese Frage in anderen Ländern noch viel dringender stellen.

Tagged in:, ,

1 Comment